• Hungrig auf Meer

Reisebericht über Jodhpur - Die blaue Stadt am Rande der Wüste

Aktualisiert: 4. Dez 2019

Mit ihren blau bemalten Häusern hat sich Jodhpur ihren Namen wahrlich verdient, enge, verwinkelte Straßen lassen die Stadt gemütlich wirken, obwohl sie mit circa zwei Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Rajasthan ist. Bekannt ist Jodhpur aber auch für das 600 Jahre alte Mehrangarh Fort, das Wahrzeichen welches von einem Hügel über die Stadt wacht und zahlreiche Dachterrassen eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt bieten. Die Sonnenstadt mit ihrem Wüstenklima lässt uns nach unserem Aufenthalt in Jaipur etwas zur Ruhe kommen und bietet gleichzeitig einiges um sich die Zeit zu vertreiben. Nach vier Tagen in Jodhpur möchten wir mit euch unsere Empfehlungen und Eindrücke über die Stadt teilen.

Jodhpur mit dem Glockenturm Ghanta Ghar und im Hintergrund das Hotel Umaid Bhawan

Übersicht des Beitrags:


#1 Auf der Suche nach den blauen Gebäuden

#2 Aussicht vom Mehrangarh Fort und das Museum

#3 Besuch des Jaswant Thada

#4 Das Treiben rund um den Glockenturm

#5 Hmmm Essen, Essen, Essen und unsere Unterkunft

#6 Eindrücke und allgemeines Fazit



#1 Auf der Suche nach den blauen Gebäuden


Früher waren die blauen Häuser ein Zeichen der Zugehörigkeit der Bewohner zur Kaste der Brahmanen, allerdings findet man die bemalten Häuser heute nicht mehr nur in der Altstadt im Süden Jodhpurs, sondern überall verstreut. Es wird gesagt, dass die Farbe vor den heißen Temperaturen schützen und Mücken fernhalten soll. Auch bei unserem Besuch Mitte Oktober 2019 waren es täglich mehr als 35 Grad. Das bedeutet, dass wir ordentlich ins Schwitzen geraten sind und gezwungen waren, trotz Langschläfersyndroms, unsere Aktivitäten auf den Morgen bzw. den Nachmittag zu legen.

Verzierter Türrahmen bei dem Restaurant im Mehrangarh Fort

Ein großer Pluspunkt an Jodhpurs Infrastruktur liegt darin, dass die engen Gassen den Autoverkehr in Teilen der Stadt verhindert und selbst die Rikschafahrer nicht überall hinfahren können. Resultat war zu unserer Freude, dass wir nicht andauernd angesprochen wurden, ob wir ein Taxi benötigen, sondern dass wir die Stadt bequem zu Fuß und in manchen Straßen in angenehmer Stille erkunden konnten. Rund um das Mehrangarh Fort läuft man durch schmale Gassen mit liebevoll verzierten Häusern und immer wieder farbenfroh bemalten Wänden mit verschiedensten Motiven. Neben kleinen Kioskläden und Essensständen mit leckeren Knabbereien sieht man oftmals Männer, die in großer Runde Karten spielen und Kinder, die auf dem Weg zur Schule sind. Durch unsere Spaziergänge erhielten wir einen umfangreichen Eindruck über den Alltag der Einheimischen, haben schöne Ecken entdeckt und lernten die Stadt zu Fuß besser kennen, was für uns einer der schönsten Aspekte war.


#2 Aussicht vom Mehrangarh Fort und das Museum


Das Mehrangarh Fort ist DAS Wahrzeichen Jodhpurs, was auch kein Wunder ist, denn die uralte Festung befindet sich auf einem Hügel direkt über der Stadt und ist somit von überall sichtbar. Von außen wirkt es wie ein monströses Bauwerk, so dass man sich fragt ob sich ein Besuch lohnt, besonders da es etliche Forts in ganz Indien gibt. Unsere Antwort ist ein klares Ja! Das Fort bietet nicht nur einen grandiosen Blick auf die Stadt, sondern kann zum Großteil auch frei besichtigt werden. Lediglich für den Museumsbesuch muss ein Ticket gekauft werden, dass sich aber, unteranderem durch einen aufschlussreichen Audio-Guide, wirklich lohnt.


Aussicht von der Festungsmauer beim Garten des Mehrangarh Forts

An unserem ersten Morgen in Jodhpur haben wir zunächst den frei zugänglichen Bereich des Forts erkundet. Um in das Fort zu gelangen muss man eine kleine Sicherheitskontrolle passieren. Umschlossen von den Mauern des Mehrangarh Forts befindet sich ein kleiner Garten von wo die Aussicht über die Stadt besonders schön ist. Wer einen Blick auf den früher „rötlichen“ Stadtteil mit dem Glockenturm erhaschen möchte, muss am Museumseingang vorbei und weiter hoch zu den ausgestellten Kanonen.


Der Eintritt für Touristen (600 INR / 400 INR Studenten) in das Museum beinhaltet einen Audio-Guide, der in verschiedenen Sprachen zur Verfügung steht. Positiv überrascht waren wir von der Tatsache, dass sowohl das Fort als auch das Museum in einem guten Zustand sind sowie der Audio-Guide klar verständlich und aufschlussreich war.


#3 Besuch des Jaswant Thada

Jaswant Thada in Jodhpur bei blauem Himmel

Nicht mal 10 Minuten von dem Mehrangarh Fort zu Fuß entfernt liegt das Jaswant Thada. Das Denkmal aus weißen Marmor wird bei den Bewohnern Jodhpurs auch liebevoll „Kleiner Taj Mahal“ oder „Taj Mahal von Merwa“ genannt. Zwar ist das Bauwerk wirklich wesentlich kleiner als der weltberühmte Taj Mahal, jedoch ist das Jaswant Thada architektonisch ebenfalls eindrucksvoll. Beim Eingang befindet sich ein (sogar einigermaßen sauberer) See, in dem sich auch Enten trauen zu schwimmen und ein ordentlich gepflegter Garten. Daher nutzten wir die Zeit uns im Schatten eines Baumes zu setzen und den wenigen Touristen beim Fotos machen zu zusehen.


#4 Das Treiben rund um den Glockenturm


Der Glockenturm Ghanta Ghar ist ein hilfreicher Orientierungspunkt, um sich in Jodhpur zurecht zu finden. Gleich unter dem Turm befindet sich der Sardar Market, der eine  Möglichkeit zum Bummeln bietet. Wir haben uns nicht viel auf dem Markt aufgehalten, sondern ihn lediglich überquert, um leckere Samosa zu kaufen (dazu gleich mehr). Wer aber Lust und Interesse hat etwas zu kaufen sollte auf jeden Fall verhandeln, da die Verkäufer wie quasi überall in Indien ihre Preise bei Touristen deutlich höher ansetzen. Nicht weit vom Markt entfernt liegen die Stepwells namens "Toorji Ka Jhalra". Die Stepwells sind wesentlich sauberer als in Amber nahe Jaipur* und vereinzelt sieht man Menschen, die sich waschen oder Fische füttern, welche ihr zu Hause in der Wasserstätte gefunden haben.


*Zu unserem Beitrag über Jaipur kommst du hier!

Der Treppensatz Toorji Ka Jhalra in Jodhpur


#5 Hmmm Essen, Essen, Essen und Unterkunft

Kleiner Supermarkt mit Blumenketten

Wenn wir eins in Jodhpur gemacht haben, dann ist es gegessen. In dem Viertel um den Glockenturm befinden sich zahlreiche Guest Houses, die auf der eigenen Dachterrasse ein Restaurant betreiben. Außerdem gibt es zahlreiche Essensstände auf der Straße, die Street Food für wenig Geld anbieten. Dadurch gestaltet sich die Essenssuche angenehmer als in Großstädten wie Delhi oder Jaipur. Damit euch das Wasser im Mund zusammenläuft, hier ein kleiner Eindruck von den Köstlichkeiten:

  • Shahi Samosa: Auf der südlichen Seite des Glockenturms findet man den Laden Shahi Samosa, bei dem die Leute Schlange stehen. Neben den leckeren Samosa gibt es hier auch Mirchi Vada und Pyas Kachori. Letzteres war unser Favorit und für nur 25 INR der perfekte warme Snack für Zwischendurch.

  • ?Mann mit grünem Wagen?: Leider wissen wir nicht wie der Mann heißt, der nachmittags mit seinem Wagen gleich an der Ecke beim Café Sheesh Mahal nördlich des Glockenturms steht, aber wir können seine warme Mahlzeit aus Kartoffelpuffer und Tomatensauce auf jeden Fall empfehlen (Aloo Tikki Makhani).

  • Sam's Art Café: Für eine kurze Abkühlung von den heißen Temperaturen bietet sich das Café mit Klimaanlage und bequemen roten Sofas an. Hier gibt es nicht nur guten Cappuccino und seit unserem Besuch auch Latte Macchiato, sondern auch gutes Essen, das auch etwas günstiger ist als auf den beliebten Dachterrassen.

  • Indigo Restaurant: Zwar haben wir nur eine Handvoll von Restaurants ausprobiert, aber das Indigo Restaurant war dabei das mit der schönsten Aussicht und dem besten Essen. Zwar sind die Preise der Gerichte etwas teurer, dafür kann man auf der Dachterrasse den Abend gemütlich ausklingen lassen.

Für unseren Aufenthalt hatten wir für vier Nächte die Unterkunft MH Guest House gebucht. Das Guest House wird von einem indischen Ehepaar betrieben, das zusammen mit ihren zwei kleinen Kindern im selben Haus wohnt was der Unterkunft mit lediglich vier Zimmern eine familiäre Atmosphäre gibt. Außerdem befindet sich die Unterkunft nur 400 Meter vom Mehrangarh Fort entfernt und punktet somit auch beim Standort.  


Orangefarbener Sari und blauer Torbogen in Jodhpur

#6 Eindrücke und allgemeines Fazit


Jodhpur überraschte uns nicht nur mit dem heißen Wüstenklima, sondern insbesondere mit ihrer vergleichsweise ruhigen und gemütlichen Atmosphäre. Als besonders angenehm empfanden wir die kleinen Gassen, die sich perfekt zum Erkunden der Stadt anboten. In den engen Gassen mit unzähligen  Stromkabeln die zwischen den Häusern hängen, muss man nur auf die vielen Tauben aufpassen die es sich auf den Leitungen bequem gemacht haben. Sonst hat man eventuell das Glück wie Laura vollgeschissen zu werden.

"Wer bist du denn?" - Angekettete Ziege in Jodhpur

Die blau bemalten Häuser sowie die Wandgemälde der Stadt gaben uns das Gefühl, dass die Stadt oder zu mindestens das Viertel rund um den Glockenturm sich große Mühe gibt die Stadt zu verschönern. Der Eindruck bestätigte sich auch bei unserem Besuch des Mehrangarh Forts und des Jaswant Thada, die beide in einem sehr guten Zustand sind. Natürlich darf trotzdem nicht vergessen werden, dass sich auch in Jodhpur in einigen Ecken der Müll stapelt und viele Menschen in ärmlichen Bedingungen hausen. Trotzdem fanden wir die Stadt schöner als andere indische Städte.


Neben den Erkundungstouren zu Fuß und den oben genannten Sehenswürdigkeiten gibt es in Jodhpur jedoch weniger zu besichtigen als beispielsweise in Jaipur und seiner Umgebung. Nichtsdestotrotz empfanden wir unsere drei Tage in Jodhpur empfehlenswert und können jedem nur raten, es sich ansonsten auf den schönen Dachterrassen gemütlich zu machen, zu entspannen und leckere vegetarische Gerichte zu genießen.


Chai Verkäufer in den Straßen von Jodhpur

Das war's von uns und unserem Erfahrungsbericht rund um die blaue Stadt Jodhpur. Falls ihr noch mehr über unsere Indienreise erfahren möchtet dann schaut euch auch unsere anderen Blogeinträge oder unsere Bilder zu Indien an:


Wart ihr schon mal in Jodhpur oder plant ihr eine Reise in die Stadt am Rande der Wüste? Bei Fragen oder Feedback könnt ihr uns auch gerne einen Kommentar hinterlassen!


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