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Hiking in Nepal: mit oder ohne Guide? - Informationen rund um das Wandern in Nepal

Aktualisiert: Feb 23

Nepal, das Land mit den atemberaubenden Bergkulissen, schafft es wohl jeden Touristen in den Bann zu ziehen und zu motivieren die eigene Sportlichkeit auf die Probe zu stellen. Denn kaum einer reist hierher um nicht mindestens eine Wanderung zu absolvieren. Denn abseits vom Mount Everst mit den absoluten Profisportlern sind viele Wanderer in Nepal Anfänger, die einfach die spektakülare Aussicht auf die 8000m Riesen erleben möchten und sich daher zu einer Wanderung entscheiden. Auch für uns stand fest, dass wir unbedingt wandern gehen möchten, doch eine Frage beschäftigte uns unentwegt: sollen wir die Wanderroute alleine meistern oder uns doch Unterstützung durch einen Guide nehmen?


Falls ihr euch die selbe Frage stellt, dann kann euch dieser Beitrag bei der Entscheidung helfen. Wir erzählen euch von unserer Erfahrung sowohl mit als auch ohne Guide und geben euch Tipps, die euch in der Vorbereitung auf eure Wanderung in Nepal und der Wahl eines Guides helfen werden.


Wo geht es lang? - Schilder auf unserer Wanderung im Langtang-Gebiet

Übersicht des Blogeintrags:


#1 Aufgaben eines Guides in Nepal

#2 Unsere Erfahrung mit Guide im Annapurna-Gebiet

#3 Tipps zur Auswahl eines Guides

#4 Unsere Erfahrung ohne Guide im Langtang-Gebiet

#5 Vor- und Nachteile eines Guides

#6 Informationen zu einem Träger/Porter

#7 Unser Fazit



#1 Aufgaben eines Guides in Nepal


Es mag komisch erscheinen, aber es ist hilfreich erst einmal zu wissen, was in den Aufgabenbereich eines Guides fällt. Denn bevor wir unsere Wanderung angetreten haben, waren wir uns gar nicht so sicher, ob er lediglich als Wegweiser dient oder auch andere Aufgaben übernimmt. Daher schildern wir euch an dieser Stelle, was ihr von einem Guide in Nepal erwarten könnt:


- Wegweisung: Euer Guide sagt euch wo es lang geht. Zwar dachten wir das sei die Hauptaufgabe eines Guides aber hier schon mal ein Spoiler: die Wege im Annapurna- sowie im Langtang-Gebiet sind recht einfach zu finden. Im Zweifel gibt es hilfreiche Schilder, außerdem sind die Wege auch in der App Maps.Me ausgewiesen. Ansonsten laufen in der Hauptsaison genügend Menschen auf den Trails rum, die man nach dem Weg fragen kann, so dass man an sich keinen Wegweiser braucht.


- Organisation: Für die jeweiligen Nationalparks benötigen Touristen eine Wandererlaubnis/Permit. Das Permit (und die TIMS-Karte für das Annapurna-Gebiet) wird euch euer Guide mit Hilfe eures Reisepasses und einem Foto besorgen. Außerdem kümmert er sich um den Transport zu und von dem Wandergebiet, in das ihr möchtet.


- Planung: Die Guides schlagen meist vor, wann man startet, wo eine Pause eingelegt wird und wann es weitergeht. Dies kann man sich natürlich auch selber einteilen oder es gemeinschaftlich festlegen.


-Unterkunft: Der Guide ist dafür zuständig eine Unterkunft zu organisieren. Jeder Guide arbeitet mit bestimmten Guest Houses oder Hotels zusammen, bei denen er seine Kunden immer unterbringt.


Unterkunft in Ulleri beim Poon-Hill-Treck

-Essen: Ähnlich wie bei den Unterkünften plant der Guide bei welchem Restaurant man in der jeweiligen Stadt isst. Zu unserer Überraschung übernimmt der eigene Guide auch den Service. Das heißt er/sie holt die Speisekarte, bestellt und serviert das Essen. Im Gegenzug darf der Guide kostenlos im Restaurant essen.


- Helfer: Jeder Guide muss im Notfall (Krankheit, Unfall, etc.) helfen können. Er beherrscht die Landessprache und kennt viele der Menschen, die in der Bergregion arbeiten oder wohnen. Außerdem sollte der Guide eine einsetzende Höhenkrankheit erkennen und entsprechende Tipps geben.


- Informationen: Viele der Guides kennen sich mit der Flora und Fauna der Umgebung aus und erklären etwas zu den einzelnen Dörfern oder landschaftlichen Gegebenheiten. Natürlich gibt es bei diesem Aspekt die größten Unterschiede zwischen den Guides.



#2 Unsere Erfahrung mit Guide im Annapurna Gebiet


Während unserer einmonatigen Nepalreise waren wir insgesamt zwei Mal in zwei verschiedenen Bergregionen wandern. Den ersten Treck haben wir zusammen mit Jans Eltern im Annapurna-Gebiet absolviert und hatten dafür sowohl einen Guide als auch einen Porter. Zwei Wochen später sind Jan und ich zu zweit im Langtang-Gebiet wandern gewesen.


Für unsere erste Wanderroute entschieden wir uns relativ schnell für das bekannte Annapurna-Gebiet. Da wir bis dato keine mehrtägige Wanderung in einem fremden Land gemacht hatten, überlegten wir, ob es sinnvoll sei einen Guide zu nehmen. Als schließlich ein Freund von Jan selbst in Nepal mit einem Guide trecken war und uns vorschlug den Kontakt zu diesem Guide herzustellen, stand unsere Entscheidung fest: der Ghorepani Poon Hill Treck mit Guide soll es sein.


Durchgefroren aber glücklich nach dem Sonnenaufgang auf dem Poon-Hill

Vor unserem Abflug nach Nepal legten wir mit unserem Guide per Whatsapp das Startdatum unserer Wanderung und den Preis, dem wir dem Guide pro Tag zahlen sollten, fest. Einen Tag vor Starttermin verabredeten wir uns mit dem jungen Nepalesen bei uns im Hotel, um ein richtiges Briefung zu bekommen. Doch hier lag auch schon die erste Hürde: wir merkten, dass unser Guide nicht sehr gut Englisch sprach und auch sehr zurückhaltend war. Trotz des unguten Gefühls, gaben wir ihm unsere Reisepasse für die Beantragung der Permits und TIMS-Karten und am nächsten Tag ging es los.


Leider behielt unser Bauchgefühl recht, denn bereits unser gemeinsamer Start der Wanderung missglückte. Denn angekommen in der Stadt Besisahar, wo unsere Tour starten sollte, verlangte unser Jeep-Fahrer plötzlich die doppelte Summe von der, die unser Guide uns am Vortag mitgeteilt hatte. Statt die Situation irgendwie zu klären, verstummte unser junger Guide. Zum Glück war noch der Träger dabei, der die Tasche von Claudia, Jans Mutter, tragen sollte. Mit diesem klärten wir die Situation schnell, wobei trotzdem ein übler Nachgeschmack entstand.


Aber auch die darauf folgenden Tage wurden nicht besser. Unser Guide hatte keine Relation zu Zeitangaben und Entfernungen, so dass wir nie wussten wie lange wir an dem Tag laufen würden oder wie weit. Erklärungen gab es immer nur auf Nachfrage und auch sonst lief er einfach schweigend vor oder hinter uns her, so dass wir schnell das Gefühl bekamen, dass er nicht wirklich Lust an dem Job hatte. Am Ende der Wanderung fühlten wir uns einfach nur schlecht betreut und ärgerten uns, dass wir einen Guide genommen hatten. Denn spätestens am dritten Tag merkte man die unangenehme Stimmung zwischen uns. Unser Guide gab sich kaum noch Mühe überhaupt mit uns zu reden und wir waren genervt, dass er uns begleitete, da er uns einfach immer unsympathischer wurde. Daher stand für Jan und mich danach fest, dass wir unsere nächste Wanderung ohne Guide versuchen würden.


Unser sympathischer Träger Rajen

Im Gegensatz zu unseren Guide war der Träger Rajen, der den Rucksack von Jans Mama trug, eine positive Überraschung. Er sprach nicht nur wesentlich besser Englisch, sondern kannte sich auch erstaunlich gut mit Pflanzen aus und erfreute uns mit seiner guten Laune und seinem netten Lächeln. Mit ihm entstand schnell ein persönliches Verhältnis und wir erfuhren durch ihn auch mehr über die nepalesische Kultur und auch ein wenig über sein Leben. Leider besitzt er noch keine Führer-Lizenz, denn sonst würden wir ihn als Guide jederzeit engagieren aber als Träger können wir ihn bereits uneingeschränkt empfehlen.



#3 Tipps für die Auswahl eines Guides


Das Schöne an Enttäuschungen ist, dass man immer daraus lernt. Nach unserer Wanderung im Annapurna-Gebiet mussten wir feststellen, dass wir in der Auswahl des Guides einiges hätten besser machen können. Damit euch nicht das selbe passiert, hier ein paar Ratschläge, die euch helfen werden:


- Fragen stellen: Sobald ihr einen Guide per Empfehlung oder durch eine Trecking-Agentur gefunden habt, dann stellt gezielte Fragen wie „Wie lange wandern wir pro Tag?“ oder „In was für einer Art von Unterkünften schlafen wir?“.


-Treffen organisieren: Lernt euren Guide am besten kurz vor der Wanderung persönlich kennen. Falls ihr oder der Guide keine Zeit habt, dann versucht ein Skype-Gespräch im Voraus zu planen. Dies ist wirklich hilfreich, besonders wenn ihr eine Wanderung von mehreren Tagen, wenn nicht sogar von zwei Wochen plant. Denn eine Wanderung mit jemanden, der euch sympathisch ist und wo die Chemie stimmt, macht wesentlich mehr Spaß.


- Englischkenntnisse prüfen: Natürlich sollte man in der Lage sein sich gut zu verständigen und dafür sind solide Englischkenntnisse von Vorteil. Das ist besonders der Fall, wenn ihr Fragen zur Natur oder ähnlichem habt.


- Vorstellungen äußern: Teilt dem Guide eure Vorstellungen mit. Falls ihr (sofern verfügbar) eine Unterkunft mit eigenem Bad möchtet, dann sagt ihm das und teilt ihm mit wenn ihr morgens gerne erst länger wandert und dann erst eine Pause machen möchtet. So gibt ihr dem Guide die Chance besser zu planen und euch macht die Wanderung gleich viel mehr Spaß.



#4 Unsere Erfahrung ohne Guide im Langtang-Gebiet


Während wir im Annapurna-Gebiet mit Jans Eltern als auch einem Guide und Träger unterwegs waren, so wanderten wir im Langtang-Gebiet lediglich zu zweit. Das spürten wir nicht nur in unserem Geldbeutel, sondern auch in der Flexibilität, die wir hatten. Wir entschieden selber wann wir morgens frühstückten, wo wir Pause machten und wie weit wir laufen wollten. Auch die Organisation des Transports in das Langtang-Gebiet oder die Wahl der Unterkünfte fiel uns nicht schwer. Das einzige was uns natürlich fehlte war jemand, der die Geschichte der Dörfer, die Geschehnisse nach dem schwerwiegenden Erdbeben im Jahr 2015 und die landschaftlichen Gegebenheiten kennt. Wir hätten es schön gefunden einiges mehr über das Gebiet zu erfahren und auch persönliche Eindrücke zu erhalten.


Während wir diese Aspekte missten, so hatten wir Glück, dass wir bei dieser Wanderung wesentlich mehr Kontakt zu den liebevollen Bergmenschen hatten. Es waren so Kleinigkeiten wie seine Wäsche waschen zu dürfen während der kleine Junge der Familie gerade das Geschirr spülte und die Oma eine Brennesselsuppe vorbereitete, die uns glücklich machten. Die Familie in Syaphru Besi, dem Startdorf unserer Wanderung, erzählte uns ihre Erfahrung des Erdbebens und was sie von der Regierung hielten. Diese Einblicke waren wirklich eine Bereicherung für uns, wobei wir auch glauben, dass es ein wenig an der weniger touristischen Wanderregion lag als nur an dem Wandern ohne Guide.



Ingesamt fanden wir die Wanderung im Langtang-Gebiet schöner als den Ghorepani-Poon-Hill-Trek (ausgenommen von dem atemberaubenden Sonnenaufgang auf dem Poon-Hill), wobei dies hauptsächlich an der Landschaft und dem engeren Kontakt zu den Bergmenschen wie auch an anderen Wanderern lag (dazu mehr bei unserem Langtang-Blogeintrag hier). Natürlich hätten wir uns gefreut, wenn auch bei dieser Wanderung erneut Claudia und Markus, Jans Eltern, dabei gewesen wären, aber unseren Guide haben wir sicherlich nicht vermisst. Dafür können wir uns vorstellen, dass uns ein sympathischer Guide noch hätte viel beibringen und erzählen können. Denn auf den verschiedenen Hütten haben wir einige Gruppen von Touristen und ihre Guides kennengelernt und manche schienen mit ihrer fröhlichen Art und ihren interessanten Informationen sogar uns bereichern zu wollen. Wer so einen Guide findet, der sollte ihn uns bitte für unsere nächste Nepalreise empfehlen.



#5 Übersicht der Vor- und Nachteile einer Wanderung mit Guide


Vorteile:

Ein engagierter Guide kann euch das Wandern erleichtern, in dem er/sie alles plant, organisiert und sich um euch kümmert. Ein Guide wurde ausgebildet auch in Notfallsituationen zu helfen und beherrscht dazu die Landessprache. Der Kontakt zu eurem Guide bringt euch die nepalesische Kultur näher und ihr könnt viel über die Traditionen, die Natur und das Familienleben lernen. Durch das Beauftragen eines Guides gibt ihr außerdem der Person einen Job und helft ihr das Unterkommen zu sichern. Und wer weiß, vielleicht seht ihr euren Guide nach einigen Tagen mehr als einen Freund.


Nachteile:

Durch einen Guide ist man weniger flexibel als wenn man alleine wandert und alle Entscheidungen selbst trifft (Beispiel: Euer Guide möchte dort Pause machen, wo er die Leute der Hütte kennt und sein Essen umsonst bekommt. Doch ihr habt noch keinen Hunger und müsst dann dort warten. Das ist uns passiert). Dadurch das euer Guide euch in den Hütten bedient habt ihr kaum Kontakt zu den Bergmenschen selbst. Sofern ihr mit eurem Guide unzufrieden seid, so wird es sich negativ auf eure Erlebnisse bei der Wanderung auswirken und leider auch die Stimmung runterziehen. Natürlich wird die Wandertour durch die Bezahlung eines Guides oder Porters teuerer. Ein Guide kostet zwischen $20-$40 pro Tag, während ein Porter circa $15-$20 kostet.


Highlight des Pool-Hill-Trecks: der traumhafte Sonnenaufgang.

#6 Informationen zu einem Träger/Porter


Das Tragen des eigenen Rucksacks kann bei einer Bergwanderung schnell anstrengend werden, besonders wenn der Rucksack zu Rückenschmerzen führt. Dies war bei Jan der Fall, der am vierten Tag unserer Langtang-Wanderung starke Migräne bekam. Daher ist es ratsam, so wenig wie möglich einzupacken und eventuell für die Wanderung einen Träger zu beauftragen. Sofern ihr nur einen kleinen Rucksack habt, so wird euch eventuell der Guide vorschlagen diesen zu tragen. Denn die Guides und Träger selbst nehmen wirklich sehr wenig mit auf die Wanderung. Ist das Gewicht oder die Größe des Rucksacks zu groß, so wird euer Guide einen Träger beauftragen.


Laura mit ihren roten Bach-Rucksack

Egal ob ihr euren Rucksack selbst tragt oder einen Porter nimmt, können wir euch empfehlen nur das nötigste mitzunehmen. Es ist in den Bergen üblich, dass man seine Klamotten mehrere Tage trägt und wir können nur sagen, dass jedes Extragramm, was ihr zusätzlich schleppen müsst, euch ärgern wird. Das gilt übrigens auch für euren Träger! Gibt ihm nicht mehr zu tragen als was ihr wirklich braucht!



#7 Eigenes Fazit


Letztendlich gibt es wie immer Vor- und Nachteile bei einer Wanderung mit oder ohne Guide. Bei einem engagierten und symphatischen Guide werden die Vorteile wahrscheinlich stärker überwiegen als wenn dieser euch enttäuscht. Daher muss jeder für sich selbst entscheiden, was ihm lieber ist. Wir sind glücklich, dass wir beide Varianten ausprobiert haben und müsse sagen, dass wir bei einfachen bzw. kurzen Wanderungen lieber auf einen Guide verzichten würden statt einfach blindlings jemanden zu engagieren. Wenn man jedoch die Zeit hat, den Guide via Skype oder einem kurzen Treffen vorher kennen zu lernen und bei den Gesprächen ein gutes Bauchgefühl bekommt, so kann dieser Guide eine wahre Bereicherung bei eurer Reise sein.


Ghandruk (1980m), das letzte Dorf auf unserer Wanderung des Boon-Hills

Aber egal ob mit oder ohne Guide, eine Wandertour gehört unserer Meinung nach zu einer Nepalreise dazu und zählt zu den schönsten und beeindruckendsten Erlebnisse auf unserer bisherigen Asienreise. Die Ausblicke auf die hohen Bergen, die Übernachtungen auf den gemütlichen Hütten sowie die freundlichen Nepalese sind die Anstrengungen definitiv wert.


Falls ihr mehr über unsere Reise in Nepal erfahren möchtet, dann schaut euch auch unsere Fotogalerie und unsere anderen Beiträge an:

- Fotogalerie Nepal

- Ultimativer Guide zum Langtang-Valley-Trek

- Nepal Video


Das war‘s von uns! War ihr schon einmal in Nepal wandern und wenn ja, wo? Lasst es uns in den Kommentaren wissen oder stellt uns eure Fragen. Wir freuen uns auf euer Feedback!

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