• Hungrig auf Meer

Ghorepani Poon Hill Trek: unser Wanderbericht zum Kurztrek in der Annapurna-Region

Aktualisiert: Apr 21

Mit dem wohl atemberaubendsten Sonnenaufgang unseres Lebens verbinden wir die Wanderroute auf den Poon-Hill. Aber nicht nur der Sonnenaufgang macht die Wanderung zu einer der beliebtesten in der Annapurna-Region, auch die malerischen Landschaften, die ruhigen Dörfer und die Reihe von schneebedeckten Bergen verleihen dem 4-tägigen Trek seinen Charme. Durch die gut markierte und ausgebaute Wanderroute, die mal bergauf, dann wieder bergab verlaufen, gehört diese Trekkingroute zu den kürzeren und leichteren im Annapurna-Nationalpark.


Hängebrücke zwischen Hille und Ulleri


Zusammen mit Jans Eltern, einem Guide und einem Träger für den Rucksack von Jans Mama sind wir den Ghorepani Poon Hill Trek im November 2019 gewandert. Um euch einen Eindruck von dem Trek zu geben schildern wir in diesem Beitrag unsere Erfahrung und und beschreiben die Route. Um alle wichtigen Informationen und hilfreiche Wandertipps zu bekommen schaut euch unseren Poon-Hill-Guide an.

Übersicht der Poon-Hill-Wanderung


Dauer: 4-5 Tage mit An-und Abreise

Distanz: 40 km

Schwierigkeit: leicht - mittel

Hauptsaison: Okt - Dez / Feb - April

Unterkünfte: Lodges mit Elektrizität, teils Wifi und warmen Wasser

Tickets: Permit + TIMS-Karte erforderlich

Start: Nayapul/Birethanti (1050m)

Ziel: Sonnenaufgang auf dem Poon Hill (3210m)

Ende: Ghandruk (1980m)


Sonnenaufgang vom Poon Hill auf (v. l. nach r.) Baraha Sikhar (7647m), Annapurna South (7219m), Hiunchuli (6441m) und Machhapuchhre (6993m).

Unser Wanderbericht mit der Route zur schönsten Kurzwanderung in Nepal


Der Poon Hill Trek kann in 3-5 Tagen absolviert werden, je nachdem wie viel Zeit man sich in den Bergen nehmen möchte. Wir haben uns für die Route von Nayapul bis Ghandruk entschieden, wobei wir 3 Tage gewandert sind und noch einen Tag bzw. zwei Nächte in Ghandruk verbracht haben.


Tag 1. Anfahrt von Pokhara


Das Abenteuer beginnt in Pokhara, wo unser Guide und sein Freund und Träger Rajen uns mit einem Jeep abholen. Nach einer zweistündigen Fahrt auf staubigen und teils holprigen Straßen erreichen wir das Dorf Nayapul, was den Startpunkt der Wanderung markiert.


In Nayapul herrscht bereits reges Treiben: Frauen mit Tellern voller Essen bieten ihre Leckereien an, Männer sitzen auf Stühlen und unterhalten sich, während Wanderern sich euphorisch ihren Weg durch die Hauptstraße bahnen.


Tag 1. Birethanti - Ulleri

11 km / Höhenunterschied 1092m.

Dauer 3/4 Stunden


Nach der Überquerung der Stahlbrücke in Birethanti (1050m) und dem letzten Checkpoint geht die Wanderung auch endlich los. Der Anfang des Weges besteht aus einer Schotterstraße, die neben dem Bhurungdi Fluss verläuft. Beim Laufen kann man den Ausblick auf Reisterrassen und grasende Pferde genießen, während ab und an Jeeps an einem vorbeifahren, die Touristengruppen bis zum Dorf Hile bringen.


Nach einer Stunde des relativ einfachen Fußmarschs erreichen wir das Dorf Hile (1485m), wo wir bei strahlenden Sonnenschein unsere erste Rast einlegen. Gestärkt von der kleinen Mahlzeit und warmen Tees geht es dann auch wieder weiter, wobei wir nicht wussten, dass der wirklich anstrengende Teil uns noch bevorstand.


Restaurants auf dem Weg von Birethanti nach Hile

Denn ab Hile wird der Weg steiler und irgendwann entdecken wir auch schon die ersten der folgenden 3700 Treppenstufen, die sich bald so anfühlen als ob sie nie enden würden. Glücklicherweise werden wir aber von der Szenerie des Weges, welcher an bunten Häusern, sich ausruhenden Eseln und kleinen Wasserfällen vorbei führt, abgelenkt. Außerdem ist es ja gerade Mal der erste Wandertag, so dass wir den Weg trotz der Anstrengung gut bewältigen.


Nachmittags, nach etwas mehr als drei Stunden wandern, erreichen wir das Dorf Ulleri (1980m), wo wir uns zum Übernachten fürs Majestic Guesthouse entscheiden. Glücklicherweise haben unsere Zimmer ein eigenes Badezimmer, so dass wir uns in der lauwarmen Dusche erfrischen können.


Zimmer im Majestic Guesthouse in Ulleri mit Blick auf die Berge


Nach dem Duschen geht es durch das Dorf selber, wo wir Jugendlichen beim Basketballspielen und den Müttern beim Kochen zuschauen. Abends wird es dann doch recht frisch, so dass der Gemeinschaftsraum mit Heizofen sich wie Balsam für die Seele anfühlt. Auch unsere vegetarisches Abendessen in Form von Dhal Bhat erfüllt seinen Zweck, so dass wir gesättigt und glücklich schon um 21 Uhr einschlafen.


Blaue Häuser im Dorf Ulleri

Jugendliche beim Basketballspielen neben der Schule in Ulleri

Tag 2. Ulleri - Ghorepani

8 km / Höhenunterschied 845m.

Dauer 3 Stunden


Früh morgens beginnt der zweite Wandertag mit dem Tagesziel Ghorepani (2874m). Wem das Treppensteigen des Vortags noch in den Knochen steckt kann beruhigt sein, denn der circa 3-stündige Aufstieg nach Ghorepani gestaltet sich ähnlich kurz, so dass in Ruhe ausgeschlafen oder eine längere Mittagspause eingelegt werden kann.


Nachdem wir Ulleri durchquert wird fängt der Aufstieg auch schon an. Ab dem Ort Banthanti ändert sich das Landschaftsbild und wir kommen in einen dichtbewachsenden Wald mit kleinen Wasserfällen und chaotischen Treppen, die von den Baumwurzel in alle Richtungen neigen. Hier angekommen können wir erstmals wieder die Ruhe der Natur nach unserer Indienreise und dem Aufenthalt in der teils chaotischen Stadt Kathmandu genießen.


Nach unserer Mittagspause in Nagethanti verläuft der Aufstieg nun eine Weile durch den Rhododendronwald, der im Frühling, wenn er blüht, stimmt magisch aussieht.


Rhododendronwald auf der Wanderung nach Ghorepani


Nach weniger als 3 Stunden kommen wir im unteren Teil von Ghorepani an, wo uns ein Torbogen willkommen heißt. Hier werden unsere Permits erneut geprüft bevor wir die letzten 15 Minuten bis zum höheren Teil des Dorfes laufen können.


In unserem Hotel Old Village Inn haben wir ein bequemes Doppelzimmer mit eigenem Bad und Steckdosen zum Laden unserer Kamera und Handys. Lediglich die Dusche spuckt eiskaltes Wasser, so dass wir doch die Gemeinschaftsdusche nutzten. Dafür bietet die Unterkunft eine kleine Außenterreasse mit fantastischen Ausblick und einen gemütlichen Gemeinschaftsraum.


In Ghorepani selbst fällt uns plötzlich dann doch sehr stark auf wie touristisch das Annapurna-Gebiet ist. Neben einer "German-Bakery" mit guten Zimtschnecken und Kaffee gibt es auch einen Souvenirshop und unzählige Lodges in denen man übernachten kann. Dafür muss man sich hier keine Gedanken, um die Verpflegung machen.


Info: Ab Ghorepani können keine Plastikwasserflaschen mehr erworben werden.


Tag 3. Ghorepani - Poon Hill - Ghorepani (Teil 1)

3 km / Höhenunterschied 333m.

Dauer 2 Stunden


Um 4 Uhr morgens klingelt der Wecker und noch im Halbschlaf geht die morgendliche Wanderung in die sternklare und ziemlich kalte Nacht los. Glücklicherweise liegt unsere Unterkunft schon etwas im oberen Ghorepani, so dass wir uns paar Treppen sparen können.


Im Gänsemarsch und im Schein der unzähligen Taschenlampen geht es dann hoch zum Poon Hill (3210m). Nach Zahlung der 100 NPR Eintrittsgebühr pro Person steigt langsam die Anspannung und nach 40 Minuten des Treppensteigens erreichen wir endlich das Plateau gemeinsam mit zahlreichen anderen Wanderern, die sich um den besten Platz für ihre Kameras und Stative aneinander drängeln.


Aber trotz der vielen Menschen und der Eiseskälte lohnt sich das Warten auf den Anblick, der einem dann geboten wird: Ganz langsam weichen die Sterne und die Dunkelheit und machen Platz für das leichte Orange, dass sich immer mehr um die Bergspitzen drängt. Kurze Zeit später erreichen die ersten Sonnenstrahlen die Bergspitzen und wir sehen wie die Berge Dhaulagiri, Nilgiri, Machhapuchhare, Annapurna South und Lamjung zu leuchten beginnen.


Magischer Sonnenaufgang auf dem Poon Hill
Magischer Sonnenaufgang mit dem sogenannten Fishtail-Berggipfel links


Natürlich haben wir genau an diesem Morgen unsere GoPro vergessen, aber so genießen wir den Sonnenaufgang ohne viel Ablenkung. Wir könnten hier zwar noch ein paar mehr Bilder posten, aber sie würden dem Sonnenaufgang nie gerecht werden. Es ist unserer Meinung eines der Erlebnisse, dass man selbst erlebt haben muss, um es zu verstehen. Lohnen tut es sich auf alle male.


Tipp: Wer wegen schlechtem Wetter eine Nacht ausharren muss oder eine Pause einlegen möchte kann auch am Nachmittag hochlaufen und den Sonnenuntergang ohne andere genießen.

Tag 3. Ghorepani - Ghandruk (Teil 2) / alternativ nur bis Tadapani

13,6 km / Höhenunterschied 340m / runter 880m


Gegen 7:30 Uhr sind wir wieder zurück in unserem Hotel und genießen unter den Einflüssen des Erlebten unser Frühstück. Nach dem morgendlichen Aufstieg steht uns die letzte und längste Etappe nach Ghandruk (1980m) bevor. Wer genug Reisezeit hat kann alternativ auch Tadapani (2630m) als Tagesziel setzen und erst am vierten Tag nach Ghandruk absteigen. Das lässt einem auf jeden Fall etwas mehr Zeit, denn die Sonne geht Ende Oktober/Anfang November bereits um 17:30 Uhr unter.


Kleiner Verkaufsladen in Tadapani

Der Anfang der zweiten Wanderung des Tages besteht viel mehr aus einem Hoch und Runter. So geht es zunächst wie am Vortag durch den schattigen Wald hoch auf den Deurali-Pass auf 3200m Höhe. Ehrlich gesagt, ist dieser Teil etwas anstrengend, da wir auch hier wieder am Strom der Wanderer vorbeiziehen wollen.


Danach folgt der erholsame Abstieg teils über Treppen, danach entlang eines kleinen Baches. Erst hier fühlt es sich an als ob man die Menschenmasse hinter sich gelassen hat und den morgendlichen Sonnenaufgang in Ruhe Revue passieren kann.


Der Weg führt immer wieder durch kleine Dörfer, so dass beliebig oft eine Pause eingelegt werden kann. Kurz vor dem Dorf Tadapani müssen erneut einen steileren Aufstieg von knapp 20 Minuten meistern und sind froh, dass es danach nur noch bergab geht. Von dem Ort selbst geht es noch etwas mehr als eine Stunde durch einen schönen Mischwald und vorbei an kleinen Wasserfällen den Berg hinab nach Ghandruk.


Mischwald auf dem Weg von Tadapani nach Ghandruk


Erst kurz vor Eintritt der Dämmerung erreichen wir den gemütlichen Ort Ghandruk (1980m) und müssen feststellen, dass alle Unterkünfte belegt werden. In einer Unterkunft werden wir dann doch fündig und bekommen noch zwei Zimmer im German Bakery Guest House. Während die Zimmer sehr einfach gestaltet sind und es nur ein Gemeinschaft-Bad gibt, so belohnen uns die gastfreundlichen Besitzer mit hervorragendem Abendessen.


Tag 4. Entdeckungstour Ghandruk


Da Jan nicht gut geschlafen hat ging es für uns früh morgens auf einen kleinen Spaziergang, wo wir erneut von dem Ausblick auf die Berge beeindruckt werden. Statt direkt den Rückweg nach Pokhara anzutreten ging es tagsüber auf Entdeckungstour durch Ghandruk, dass einen alten Stadtkern besitzt, wo die Häuser im alten Baustil erhalten sind. Der sonnige Spaziergang gepaart mit der Ruhe und der Landschaft sind der schöne Abschluss unserer Wanderung.


Dorf Ghandruk umgeben von Bergen

Tag 5. Rückfahrt nach Pokhara


Hätte uns bloß jemand gewarnt, aber nein, so sitzen wir im klapprigen LKW-Bus und schauen zu wie er sich seinen Weg durch Schlamm und Wasser, vorbei an steil abfallenden Berghängen bahnt. Aber zurück zum Anfang.


Für den Rückweg nach Pohkara wollen wir den lokalen Bus um 10 Uhr zu nehmen. Nach der Bezahlung von 500 NPR pro Person (3,70€) und geht die abenteuerliche Fahrt untermalt von lauter Bollywoodmusik auch schon los. Während wir normalerweise starke Befürworter lokaler Verkehrsmittel sind, so hätten wir diesmal besser den Jeep-Fahrer vom Parkplatz nehmen sollen, denn die Fahrt fühlt sich auf Grund der dürftigen Straßenzustände nicht ungefährlich an.


Lokaler Bus, der uns von Ghandruk nach Pokhara gebracht hat

Der Bus wackelt sich die schmale, nicht asphaltierte Straße an steilen Abhängen entlang. Einige Nepalesen, die keinen Sitzplatz mehr bekommen haben, stehen im Gang und schauen dem Busfahrer bei seiner Kunst zu, sich an dem entgegen kommenden Bus mit völlig verstaubten Scheiben vorbei zuschlängeln. Glücklicherweise ist die Fahrt nach einer halben Stunde deutlich besser und ab dem Birethanti fühlen wir uns deutlich wohler.


Inklusive einer halbstündige Pause an einem Restaurant an der Hauptstraße brauchten wir am Ende circa 5 Stunden, um den Busbahnhof im Nordosten von Pokhara zu erreichen. Hier quetschten wir uns in ein Taxi und fuhren zu unserem Hotel an der Lakeside, wo wir uns vom Wandern erholen konnten.


Eigene Eindrücke und unser Fazit


Der Ghorepai Poon Hill Trek gehört definitiv zu den touristischsten Wanderpfaden in Nepal. Gut ausgebaute Wege, bequeme Lodges und ein beeindruckendes Bergpanorama ziehen jedes Jahr Tausende Wanderer aus der ganzen Welt an, um gemeinsam das Highlight eines spektakulären Sonnenaufgangs auf dem Poon Hill mitzuerleben.


Fishtail-Berg in Nepal zwischen Bäumen


Insgesamt fanden wir den Ghorepani Poon Hill Trek super als Einstieg in Wanderwelt Nepals und finden, dass er sich auch für Anfänger eignet. Wir wären am Ende sogar gerne noch länger gelaufen, um noch mehr von der Wanderregion zu entdecken und die Natur zu genießen.


Für alle die sich langsam an Wanderungen und Trekkingtouren in Nepal rantasten wollen oder/und nur wenig Zeit haben, können wir den Pool Hill Trek absolut empfehlen!



Weitere Reiseberichte zu Nepal, so wie Fotos und ein Video findet ihr hier:


- Fotogalerie Nepal

- Poon Hill Guide: alles was du wissen musst

- Nepal Reisevideo

- Langtang Valley Trek

- Wandern in Nepal mit oder ohne Guide?


Hungrigaufmeer auf der Poon Hill vor dem Bergpanorama

Wart ihr schon mal in Nepal wandern? Und wenn ja, wo wart ihr? Wir würden uns freuen von eurer Erfahrung zu hören.

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